Back to Blog

Bufferbloat mit MikroTik eliminieren

3/24/2025Moritz VeltrupMikroTik, Bufferbloat, QoS, Netzwerk
This article is only available in German.

Deine Leitung liefert 250 Mbit/s, aber sobald jemand einen Download startet, laggt der Video-Call? Das ist Bufferbloat. Mit einem MikroTik-Router lässt sich das Problem komplett lösen.

Falls du noch nicht weißt, was Bufferbloat genau ist: Unser Wissensartikel zu Bufferbloat erklärt die Hintergründe.

Schritt 1: Bufferbloat messen

Bevor wir etwas konfigurieren, messen wir den Ist-Zustand. Dafür eignen sich:

  • fast.com: Klick auf "Weitere Informationen anzeigen". Dort siehst du die Latenz unter Last (Loaded Latency). Werte über 50 ms sind ein klares Zeichen für Bufferbloat.
  • speed.cloudflare.com: Zeigt direkt eine Bufferbloat-Bewertung an.
  • Waveform Bufferbloat Test: Der detaillierteste Test mit klarer Note (A bis F).

Notier dir die Werte, nach der Konfiguration testen wir erneut.

Schritt 2: Deine Bandbreite kennen

Für die Queue-Konfiguration brauchst du deine tatsächliche Bandbreite. Nicht den gebuchten Tarif, sondern was wirklich ankommt. Miss das ohne Queue-Regeln mit einem normalen Speedtest.

Beispiel: Dein Anschluss liefert 250 Mbit/s Download und 40 Mbit/s Upload.

Das max-limit der Queue muss unterhalb deiner tatsächlichen Bandbreite liegen, damit der MikroTik die Kontrolle über die Buffer übernimmt und nicht das Modem. Ein guter Startwert liegt bei 80–95 % der gemessenen Werte. Den optimalen Wert findest du durch schrittweises Anpassen: so hoch wie möglich, solange die Latenz unter Last niedrig bleibt.

Nicht den gebuchten Tarif verwenden

Nutze immer die tatsächlich gemessene Bandbreite als Grundlage, nicht den Wert aus deinem Vertrag. Provider liefern selten exakt die gebuchte Geschwindigkeit. Wenn du den Tarif-Wert nimmst und dein Anschluss weniger liefert, hat weiterhin das Modem die Kontrolle über die Buffer - und Bufferbloat bleibt bestehen.

Schritt 3: FastTrack deaktivieren

FastTrack ist in vielen MikroTik-Konfigurationen standardmäßig aktiviert. Es beschleunigt den Paketdurchsatz, indem es die normale Verarbeitungskette umgeht -inklusive aller Queues. Das bedeutet: Solange FastTrack aktiv ist, greifen deine Queue-Regeln bei den meisten Verbindungen nicht.

/ip firewall filter print where action=fasttrack-connection

Falls eine Regel angezeigt wird, deaktiviere sie:

/ip firewall filter disable [find action=fasttrack-connection]
FastTrack vs. Queues

FastTrack und Queues schließen sich gegenseitig aus. Pakete, die durch FastTrack laufen, werden von keiner Queue erfasst - weder Simple Queues noch Queue Trees. Ohne diesen Schritt bleibt Bufferbloat trotz korrekt eingerichteter Queues bestehen.

Schritt 4: Simple Queue einrichten

Der einfachste Weg auf MikroTik ist eine Simple Queue mit fq_codel:

/queue type
add name=fq-codel-download kind=fq-codel
add name=fq-codel-upload kind=fq-codel

/queue simple
add name=bufferbloat-control \
    target=bridge1 \
    max-limit=200M/32M \
    queue=fq-codel-download/fq-codel-upload \
    comment="Bufferbloat Prevention"
Werte anpassen
  • target=bridge1: Ersetze das mit deinem LAN-Interface (z.B. bridge1 oder ether2-local)
  • max-limit=200M/32M: Startwert bei 80 % von 250/40 Mbit/s. Von hier aus schrittweise erhöhen, bis die Latenz unter Last wieder ansteigt - dann einen Schritt zurück.
  • Das Format ist Download/Upload

Schritt 5: Ergebnis testen

Jetzt nochmal testen, gleiche Tools wie vorher:

  1. Öffne fast.com und warte bis der Test komplett durchgelaufen ist
  2. Klick auf "Weitere Informationen anzeigen"
  3. Vergleiche die Loaded Latency mit deinem Vorher-Wert

Typische Ergebnisse:

VorherNachher
Download250 Mbit/s200–237 Mbit/s
Upload40 Mbit/s32–38 Mbit/s
Latenz (unbelastet)8 ms8 ms
Latenz (unter Last)200–800 ms10–15 ms

Je nach Anschluss und Provider kann der Bandbreitenverlust durch die Queue zwischen 5 % und 20 % liegen. Dafür gewinnst du stabile Latenzen, auch wenn alle Geräte gleichzeitig das Netz belasten. Wenn der Verlust zu hoch ist, kannst du das max-limit schrittweise erhöhen - solange die Latenz unter Last niedrig bleibt.

Warum fq_codel?

fq_codel (Fair Queuing Controlled Delay) ist ein moderner Queue-Algorithmus, der Buffer klein hält, Bandbreite fair verteilt und automatisch arbeitet. Pakete werden verworfen statt gestapelt, jeder Flow bekommt seinen fairen Anteil, und es ist keine manuelle Priorisierung nötig.

Wichtig

fq_codel ist erst ab RouterOS v7 verfügbar. Auf älteren Versionen (v6 und darunter) steht der Algorithmus nicht zur Verfügung - dort müsstest du auf pcq (Per Connection Queuing) ausweichen, was deutlich mehr manuelle Konfiguration erfordert.

Für Fortgeschrittene: Queue Trees

Simple Queues reichen für die meisten Setups. Wer aber zusätzlich bestimmten Traffic priorisieren will (z.B. VoIP oder Gaming), kann Queue Trees mit Mangle-Regeln nutzen:

Tipp

Queue Trees sind nur nötig, wenn du gezielt bestimmten Traffic bevorzugen willst. Für die reine Bufferbloat-Bekämpfung reicht die Simple Queue aus Schritt 3 völlig aus.

/ip firewall mangle
add chain=forward action=mark-packet \
    new-packet-mark=voip passthrough=no \
    protocol=udp dst-port=5060-5061,10000-20000 \
    comment="VoIP Traffic"

/queue tree
add name=download parent=bridge1 \
    max-limit=200M queue=fq-codel-download
add name=download-voip parent=download \
    packet-mark=voip priority=1 \
    queue=fq-codel-download
add name=download-rest parent=download \
    packet-mark=no-mark priority=8 \
    queue=fq-codel-download

Das ist aber nur nötig, wenn fq_codel allein nicht reicht. In den meisten Fällen erledigt die Simple Queue den Job.

Fazit

Bufferbloat ist eines der häufigsten Netzwerkprobleme und eines der am einfachsten lösbaren. Mit einer einzigen Queue-Regel auf dem MikroTik gehören Lag-Spikes der Vergangenheit an.

Kurz zusammengefasst:

  1. Vorher messen (fast.com oder Waveform Test)
  2. FastTrack deaktivieren
  3. Simple Queue mit fq_codel einrichten
  4. Nachher messen und den Unterschied genießen

Ready for a Stable Network?

Let's take your network infrastructure to the next level together.

Get in Touch Now